Herfried Loose   NHE Aufbruch  -  Neue Hoffnung Erde


Ein rationaler Physiker gelangt zu den Erkenntnissen, dass kleinste Teile nicht Ding,  sondern Geist sind und Materie auf gedankliche Beeinflussung reagiert. Nachdem er einige Vertraute in seine Geheimnisse einweiht, beginnt für die Gruppe, die sich NHE nennt eine atemberaubende Vision Gestalt anzunehmen. Mit schamanischen Werkzeugen ausgestattet nehmen sie Einfluss um die Menschheit vor Manipulation und Versklavung zu retten und führen sie in eine neue Zeit
Markus Stettner, ein rationaler und gesellschaftskritischer Physiker an der Uni Kiel, hört sich mit seinem Computer reden, als dieser den Geist aufgeben will. Seine Daten werden gerettet, doch andere PCs und elektronische Medien sind kaputt. Auf der Suche nach Erklärungen stellt er fest, dass die kleinsten Teile der Materie nicht Ding, sondern Geist sind. Er erkennt, das, was die Welt im Innersten zusammenhält ist Bewusstsein. Also kann Materie auf menschliche Gedanken und Emotionen reagieren. Zunehmende Frequenzstörungen legen weltweit jegliche elektronische Übermittlung lahm. Ist es eine bewusste Steuerung einzelner Personen oder wie der Menschheit lapidar verkauft wird nur Kosmisches Rauschen? Nachdem er einige Vertraute in seine Geheimnisse und Überlegungen einweiht, beginnt für die Gruppe, die sich nun "NHE - Neue Hoffnung Erde" nennt eine atemberaubende Vision Gestalt anzunehmen. Wie durch Zufall begegnen sie dem Oberhaupt des Schamanischen Netzwerkes, welcher sie initiiert und mit Werkzeugen und Kräften ausstattet, denen sie nicht gewachsen sind. Sie allerdings beschließen - zum Wohle der Menschheit - Einfluss auf die kristalline Struktur des Elementes Silizium zu nehmen, um die Menschen vor Manipulation und geistiger Versklavung zu retten. So beginnt ein Abenteuer, dessen Folgen die Menschheit zu einem Entwicklungssprung ohne Gleichen führt.

Ein interessant und sehr spannend geschriebener Roman, bei dem es dem Leser schwer fällt, zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden. Können Gedanken so machtvoll sein, dass wir nicht nur mit Menschen sondern auch mit Pflanzen, Tieren und  sogar Computern kommunizieren könnten ? Den Protagonisten, die sich zu der Gruppe "NHE - Neue Hoffnung Erde" zusammengeschlossen haben, gelingt dies, und danach ist nichts mehr so, wie es war. Natürlich setzt die Regierung alles daran, den alten Status wiederherzustellen. Ob es gelingt, die Chance zu nutzen, aus Fehlern zu lernen und eine lebenswerte Zukunft zum Nutzen aller möglich zu machen, bleibt im ersten Teil der Trilogie und dem gelungenen Erstlingswerk von Herfried Loose offen. Seine Fortsetzung wird mit Spannung erwartet.


Ein gelungener Roman, den man von der ersten bis zur letzten Seite am liebsten nicht aus der Hand legen möchte.


Corona Medien Verlag     ISBN 978-3-942128-09-4     24,90 Euro    www.coronaverlag.de



Ruth von Mayenburg, Heinrich Breloer: Hotel Lux - die Menschenfalle

Ein historisch akribisch recherchierter Augenzeugenbericht, bei dem man Informationen aus erster Hand erhält. In einer fabelhaften Schreibweise verfassst, wird der Leser vom ersten Augenblick an gefesselt. Ein rundum lesenswerter, wichtiger Genuss und dank seiner schönen Aufmachung auch ein attraktives, ganz besonderes Geschenk. Am 27. Oktober 2011 startet Leander Haußmanns Film Hotel Lux mit Michael Bully Herbig in der Hauptrolle in den Kinos. Der Geschichte im Film steht die wahre Geschichte Ruth von Mayenburgs gegenüber, die sieben Jahre (1938 bis 1945) in dem internationalen Ghetto-Hotel Lux in Moskau lebte. Dabei lernte sie nicht nur dessen Bewohner, meist junge Kommunisten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und ganz Europa kennen, sondern erlebte auch die stalinistischen Säuberungen hautnah mit. Die Neuausgabe ihres Buches wird ergänzt durch bislang unveröffentlichte Drehbuchnotizen des renommierten Filmemachers Heinrich Breloer, die dieser nach einer Reise mit Ruth von Mayenburg nach Moskau verfasst hat. Hotel Lux. Die Menschenfalle erzählt die wahre Geschichte eines erschütternden Orts.

Elisabeth Sandmann Verlag  ISBN 3938045604 24,80 Euro  www.esverlag.de



André Breton: Anthologie des schwarzen Humors

 Die allgemeine Vorstellung vom schwarzen Humor und sein Begriff stammen aus Bretons berühmter Anthologie, die 1939 in Paris herauskam. André Breton (1896 - 1966), der eigentliche Erfinder des literarischen Surrealismus, begreift den kritischen, den schwarzen Humor als eine Kunstform, deren wahre Initiatoren Swift und der Marquis de Sade gewesen sind. Es sind die Überempfindlichen, die Ruhelosen mit dem wachen Gewissen, die ihr Denken in die Lockform des schwarzen Humors gebracht haben. Breton versammelt Beiträge von 45 Autoren; maßgeblich für die Auswahl war eine Berücksichtigung surrealistischer Gesichtspunkte. André Breton schrieb als Herausgeber ein ausführliches Vorwort und Einleitungen zu den Beiträgen sowie eine bibliographische Übersicht. Scharfzüngig, bitterböse und einfach unschlagbar ist diese Sammlung tiefschwarzer Geschichten. Ein wahres Lesevergnügen und eine Hommage an die Gedankenfreiheit. Ein geniales Mitbringsel für gute Freunde und Beiträge die wirklich den Nagel auf den Kopf treffen. All das findet man versammelt zwischen diesen beiden Buchdeckeln, Seite für Seite ein Genuss. Es kann zwar passieren, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt, aber die Autoren sind mit viel Spass bei der Sache.

Rogner & Bernhard ISBN 3807710833  12,95 Euro Nur erhältlich bei Zweitausendeins www.rogner-bernhard.de  www.zweitausendeins.de

Anthologie des schwarzen Humors

Veronika B. Geiger: Das kalte Herz des Mandinka - Die wahre Geschichte einer trügerischen Liebe in Gambia

Nach ihrer Scheidung und dem tragischen Unfalltod ihres geliebten Freundes verknüpft Victoria die Liebe mit Schmerz und Trauer. Darum gibt es für sie lange Zeit nur ihren Sohn und ihre Arbeit. Sie glaubt, es fehlt ihr nichts. Während eines Urlaubs in Gambia erliegt sie jedoch den schönen Worten eines Einheimischen und glaubt, all das zurück zu bekommen, was sie so lange schmerzlich vermisst hat. Es beginnt eine leidenschaftliche Liebe und für Victoria die Erfüllung ihrer Sehnsüchte und Träume. Geschwächt vom Malaria-Fieber muss sie jedoch bald die grausame und sehr schmerzliche Wahrheit erkennen... Offen und ehrlich erzählt die Autorin die Geschichte ihrer Liebe zu einem Gambier. Ihr flüssiger und gleichzeitig emotionsgeladener Schreibstil lässt die Leser in eine Welt versinken, aus der es kein Entrinnen gibt, bis die letzte Seite umgeblättert ist. Ein Buch das das Herz berüht und den Leser mitnimmt auf eine ganz besondere Reise in eine exotische Umgebung. Lebendig und anschaulich geschrieben zeigt es auf rund 392 Seiten eine ganz andere Welt. Sehr authentisch und unbedingt empfehlenswert.

Kern Verlag   ISBN  3939478342  17,90 Euro  www.verlag-kern.de

Das kalte Herz des Mandinka - Die wahre Geschichte einer trügerischen Liebe in Gambia

Ocke Bandixen: Fast kein Land

Auf rund 176 Seiten wird der Leser hier in eine ganz andere, faszinierende Welt entführt. Mit einer politischen Komponente versehen, ist dieses ein Roman von ganz besonderem Reiz. Ein Buch, das von der ersten Seite den Leser in seinen Bann zieht und ihn in die geheimnisvolle Geschichte rund um Hannes und die Zeit des Zweiten Weltkriegs mitnimmt. Sommer 1939. Der 12-jährige Hannes wächst auf einem Bauernhof in Nordfriesland auf - und gerät auf dem abgeschiedenen Hof unversehens in die Wogen der Weltpolitik. Ein schwedischer Vermittler hat Hermann Göring und einige englische Lords hierher zu einer Geheimkonferenz eingeladen - eine letzte Anstrengung, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. Hannes weiß, dass der Deich und der heimatliche Hof durch Diamentenfunde in Deutsch-Südwestafrika bezahlt wurden. Während er von dem fernen Land träumt, spielt er plötzlich eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen. Und ebenso sein Geburtstagsgeschenk, das lang ersehnte Taschenmesser.

Osburg Verlag  ISBN  3940731609  17,95 Euro  www.osburg-verlag.de/

Fast kein Land

 

Louis Anschel:   Ein Farang schlägt zurück

David befindet sich mitten in der Midlife-Crisis. Er kann seinem Job nichts mehr abgewinnen, seine Ehe langweilt ihn, er findet sein ganzes Leben schrecklich. Als er mit seiner Ehefrau in Thailand Urlaub macht, stiehlt er sich heimlich davon und lernt in einem Massagesalon eine Thai kennen, die er nicht mehr vergessen kann. Nach seiner Rückkehr hält er telefonisch den Kontakt zu ihr aufrecht und beschließt irgendwann, seiner Frau und seinem bisherigen Leben den Rücken zu kehren.
David gibt alles auf und geht nach Thailand, um für immer mit seiner Freundin zusammen sein zu können. Er kauft ein gemeinsames Haus, fährt mit ihr ein paar Tage in ihr Heimatdorf und lernt die Lebensverhältnisse auf dem Land kennen, er trifft in Pattaya ihre beste Freundin, die zwischen mehreren Liebhabern hin- und hergerissen ist, und er trifft auch Manfred, den deutschen Besitzer eines Massagesalons, der Probleme mit seiner thailändischen Frau hat. Nach einiger Zeit bekommt die große Liebe zwischen David und seiner Freundin Risse, denn die Geldforderungen der Masseuse werden immer höher. Nachdem er ihr eine größere Summe Geldes anvertraut hat, damit sie einen Massagesalon kaufen kann, muss David feststellen, dass seine Freundin ihn nicht nur verlassen, sondern auch noch bis zum letzten Hemd abgezockt hat. Der Farang schwört grausame Rache …

Über den Autor: Louis Anschel, geboren 1964 in Berlin, arbeitete als Lehrer bevor er sich seiner Karriere als Autor widmete und Filmkritiken und Drehbücher schrieb. Nach Auslandsaufenthalten in Nordafrika und Lateinamerika zog es ihn nach Südostasien, wo er sich in das „Land des Lächelns“ verliebte und dort nun einen Großteil seiner Zeit verbringt. Er übersetzt Bücher (u. a. „Ich war erst 13“) und schreibt Kurzgeschichten und Romane.

Der Autor erzählt die wahre Geschichte eines Mannes, dem sein Leben momentan fad und langweilig erscheint. Ehe und Beruf laufen in festgefahren Bahnen. Während eines Urlaubs in Thailand verliebt er sich so heftig in eine thailändische Masseuse, dass er sein Leben komplett ändert, alle Brücken abbricht und nach Thailand zieht, um für immer mit seiner Freundin zusammen zu sein.  Schon bald muß er erkennen, dass vieles nicht so ist, wie es scheint. Er wird betrogen, finanziell ausgenutzt und beraubt, doch dann nimmt er den Kampf auf und startet einen überaus erfindungsreichen Rachefeldzug gegen seine Ex-Freundin. Doch das Ende der Geschichte überrascht nicht nur den Leser ..... Ein spannend geschriebener Roman mit viel Insiderwissen über Thailand, das Land und seine Menschen.

Heller Verlag     ISBN 978-3-929403-35-0     9,90 Euro    www.heller-verlag.de 





Manchette, Jean Patrick / Sussman, Barth Jules      Der Mann mit der roten Kugel  

Série Noire
Deutsche Erstveröffentlichung
Aus dem Französischen von Katarina Grän

Texas 1871: während die Commune in Paris in einem Blutbad endet, arbeitet Greene als Leihsklave einer Strafvollzugsanstalt bei dem Besitzer einer Baumwoll-Plantage und kämpft bei unmenschlicher Hitze, eine rote Fesselkugel am Knöchel, ums Überleben. Er hat dabei nur einen Gedanken im Kopf: so rasch wie möglich auszubrechen. Aber er wird scharf bewacht ...
Manchette hat diese bisher auf Deutsch unveröffentlichte Romanadaption eines Drehbuchs des US-amerikanischen Autors Barth Jules Sussman 1972, ein Jahr nach seinem ersten Roman noir «Lasst die Kadaver bräunen», geschrieben. Mit seinem Schreibstil, seiner sozialen und politischen Kritik gab er dem französischen Roman noir und damit dem zeitgenössischen französischen Néo-Polar auf Umwegen über den Western einen neuerlichen Auftrieb.


Jean-Patrick Manchette (1942—1995), Drehbuchautor, Essayist, Übersetzer und Schriftsteller wurde zur Leitfigur für eine neue Generation französischer Krimiautoren.
Er liebte Jazz, Kino und Literatur. Virtuos wußte er Bilder aus Alltag, Abenteuer und Sozialkritik mit den Klängen eines großen «roman noir» zu verbinden. Durch seinen erzählerischen Reduktionismus und hintergründigen Humor hat Manchette – an die Tradition von Raymond Chandler und Dashiell Hammett anknüpfend – eine moderne auf Europa zugeschnittene Form des amerikanischen «hard-boiled» Krimis gefunden. Manchette gilt als Begründer des neueren sozialkritischen französischen Kriminalromans, des sogenannten néo-polar. Er arbeitete als Drehbuchautor und veröffentlichte u.a. zehn Kriminalromane, von denen die meisten verfilmt wurden, so «Nada» von Claude Chabrol, «Que d’os!» («Knüppeldick») von und mit Alain Delon, «Morgue pleine» («Volles Leichenhaus») von Jacques Bral.

Barth Jules Sussman, geboren 1939 in New York City, war Vertriebsleiter bei der Verlagsgruppe Random House Inc., arbeitete danach als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris, Rom, München, Hongkong und Hollywood, lebt heute in Vero Beach, Florida. Er veröffentlichte u.a. zwei historische Thriller und schrieb eine von seiner Frau Jen illustrierte Kinderbuch-Serie für den größten Buchverlag in Frankreich: Hachette. Zu seinen Film-Arbeiten gehören u.a. der Italo-Western The Stranger & The Gunfighter (In meiner Wut wieg’ ich vier Zentner, 1974) mit Lee Van Cleef sowie Night Games (1980) von Roger Vadim. B.J. Sussman arbeitete u.a. auch für den bekannten italienischen Filmproduzenten Dino De Laurentiis («Bitterer Reis» mit Silvana Mangano) und hatte eine lange Auftragsarbeit bei Columbia Pictures. Zur Zeit arbeitet er in Berlin an verschiedenen Projekten für den deutschen Film.

Der Protagonist Green wird von der Gefängnisverwaltung an den Plantagenbesitzer Potts ausgeliehen und als Leihsklave zum Baumwollpflücken eingesetzt. Unter sengender Hitze, umgeben von Mördern und Schwerverbrechern und bewacht von Scharfschützen wird ihm schnell klar, dass eine Flucht undurchführbar ist. Die einzige Chance besteht darin, seine Mitgefangenen zu einem Aufstand zu überreden. In knappen Texten und einer direkten Sprache läßt Manchette das Drehbuchs von Barth Jules Sussman noch durchscheinen. Mit diesem Western aus dem Jahr 1972 wird die Werksausgabe von Manchette im Diestel Verlag abgeschlossen. Für seine treuen Leser und Krimifans eine interessante und durchaus überraschende Lektüre.

ISBN 978-3-923208-88-3 12,80 Euro www.distelliteraturverlag.de


Friedrich Kröhnke: Nach Asmara!

Reisen, ohne wirklich anzukommen, einmal um die Welt und darüber hinaus. Aber Frick ist kein geistloser Tourist, eher ein ruheloser Melancholiker, ein Oblomow mit Koffer und für die Länge eines Romans ein wunderbarer Reisegefährte.Ans Ende der Welt reisen, um einen neuen Anfang zu machen? Nach Asmara fliegt Friedrich Kröhnkes unheroischer Held namens Frick. Auch wenn er in der seltsam europäischen Moderne von Eritreas Hauptstadt Erlebnisse sanfter Erleuchtung hat, so bleibt er am Ende doch der nervöse Melancholiker, der er immer war. Das Leben und die Lust schillern in Friedrich Kröhnkes neuem Roman "Nach Asmara!", der Geschichte eines Mannes, der das Glück unter den goldenen Pagoden Rangoons sucht, unter dem Chimborazo und am Fischmarkt von Mutrah. Quer durch die Welt führt dieses Buch, und auch knapp am Tod vorbei. Eine Operation hat Frick nur mit Not überlebt. Sich selbst und einem Leidens-genossen namens Burmeister verspricht er, noch tiefer ins Leben einzutauchen. Mit zarter Lakonie entwirft "Nach Asmara!" das Porträt eines unbürgerlichen Reisenden, den es von Berlin über Bali, Indien und Japan von Ort zu Ort treibt, eines Oblomow mit Koffer. Wenn diese paradoxe Figur in der Weltliteratur bisher noch nicht erfunden war, hier ist sie! Ein sehr fesselndes Buch, voller Poesie, das den Leser mit auf eine gewaltige Reise voller Abenteuer und Spannung nimmt. Hier wird es garantiert auf keiner Seite langweilig und es warten viele unterschiedliche Geschichten und Landschaften. In beeindruckenden Texten verfasst, wünscht man sich, dass diese Reise noch lange nicht zu Ende gehen möge.

Jung und Jung Verlag  ISBN  3902497912  20,00 Euro  www.jungundjung.at

Nach Asmara!: Roman

Oliver Uschmann: Nicht weit vom Stamm

Sven hat die schiefe Bahn verlassen und ist am Ziel angekommen: ganz unten. Seine Tage verbringt er im Rausch, seine Nächte wahlweise mit Sex oder Prügeleien. Dabei stünden ihm alle Türen offen, sagt sein Vater – hätte Sven sie nicht vor fünf Jahren zugeschlagen. Als seine Schwester bedroht wird, findet sich Sven in seinem schlimmsten Albtraum wieder: Der einzige Weg, Lina zu retten, ist, so zu werden wie sein Vater. Oliver Uschmanns Roman ""Nicht weit vom Stamm"" erzählt schonungslos und ehrlich von verlorenen Zielen, falschen Freunden und der Macht der Zuversicht. Ein Leben voller Gefahren und Abgründe in das der Hauptcharakter Sven da geraten ist. Es ist klar, dass dieser Weg nicht lange so weitergehen kann und so führt er auch genau in die Richtung in die Sven nie wollte, denn ausgerechnet wie sein Vater wollte er noch nie werden - doch für ein höheres Ziel kommt er seinem Vater näher als ihm lieb ist. Wird diese Konstellation gut ausgehen? Denn eines ist klar: In sein altes Leben kann Sven nicht mehr zurück.

Script 5 ISBN 383900120X 14,95 Euro www.script5.de

Nicht weit vom Stamm

Hernán Rivera Letelier und Svenja Becker: Die Filmerzählerin

"Während ich meinen Tee trank und mich bereitmachte, den Film im Stehen vor der weißen Wand zu erzählen, versicherte mein Vater seinen Gästen unermüdlich, der Film könne schwarzweiß sein und bloß die halbe Leinwand füllen, seine Kleine hier würde ihn in Technicolor und Cinemascope erzählen. »Gleich seht ihr es selbst, Kumpels.«" Etwas Aufregenderes als Kino gibt es nicht in dem Minendorf inmitten der chilenischen Wüste. Die Männer arbeiten im Salpeterabbau, die Frauen sollen vernünftig wirtschaften und haben die zahlreichen Kinder am Hals. Da bieten die Hollywoodfilme mit Marilyn Monroe, John Wayne oder Charlton Heston und die mexikanischen Melodramen mit viel Gefühl und Musik eine willkommene Abwechslung und den Abglanz einer anderen Welt. Doch eines Tages erlebt die Siedlung etwas noch Schöneres als Kino: María Margarita, ein zehnjähriges Mädchen, kann Filme so anschaulich und dramatisch nacherzählen, daß die Leute herbeiströmen, um sie zu hören. Bald drängt sich die halbe Siedlung in der engen Stube ihrer Familie, wo sie mit kindlicher Freude das Leinwandgeschehen zum Leben erweckt. Als sie eines Tages jedoch einem alleinlebenden Mann in dessen Haus einen Western erzählen soll, widerfährt ihr etwas schrecklich Verstörendes. Kräftig, mit viel Sinn für Komik, aber auch für das Schlimme im Leben, erzählt der chilenische Bestsellerautor Hernán Rivera Letelier vom harschen Leben in der Atacamawüste und den Glücksmomenten seiner Hauptfigur als gefeierte Filmerzählerin. Eine Liebeserklärung an das Kino und die Kunst der Imagination. Ein Buch als Hommage an das Kino und die Filmwelt, der gleichzeitig vom Leben als Frau in einer Art Männergesellschaft erzählt. Gleichzeitig hegt dieser Roman eine Vorliebe für skurille Situationen und betont sowohl schöne als auch weniger schöne Seiten dieses Lebens.

Insel Verlag ISBN  3458174958  14,90 Euro www.suhrkamp.de/insel_verlag_67.html

Die Filmerzählerin: Roman

Gert Jonke: Erwachen zum großen Schlafkrieg

Neu zu entdecken: Eines der poetischsten und schönsten Rätsel der österreichischen Literatur.Hier ist die Welt aus den Angeln: Die Fahnen hält es nicht auf den Masten, die Deckel nicht auf den Töpfen. Straßenbahnschienen schütteln Haltestellen ab, während ganze Bücherstapel aus den Bibliotheken fliehen. 1982 hat der österreichische Schriftsteller Gert Jonke "Erwachen zum großen Schlafkrieg" geschrieben, eine virtuose Erzählung, in der sich die Wirklichkeit einer Stadt auflöst. Was wäre, wenn die steinernen Figuren an den Portalen der Häuser ihre Last nicht mehr trügen? Wenn sich die Karyatiden endgültig von den Brüstungen und Balkonen lossagten, um nur noch zu schlafen und zu träumen? Einen "akustischen Raumgestalter" hat Gert Jonke für seine Expedition durch das Mögliche erfunden. Der poetische Herr namens Burgmüller ist Liebhaber dreier Frauen, kann Vögelschwärme dirigieren und ist mindestens so philosophisch wie sein Autor: "Alles ist auf einmal so durchsichtig geworden, dass man nichts mehr durchschauen kann." Die große melancholische Erzählung gehört zu den Hauptwerken des 2009 verstorbenen österreichischen Schriftstellers. Eine ganz andere, eine faszinierende Welt - die etwas auf dem Kopf steht -  dies zeigt der Autor Gert Jonke auf. Kein Gleichgewichtssinn scheint mehr zu existieren und in beeindruckenden Worten wird hier als poetische und philosphische Erzählung, die schon 1982 erschien, diese neue Welt vorgestellt. Mit seiner Phantasie setzt der AUtor die Naturgesetze außer Kraft und zeigt, dass Phantasie doch gegen Physik etwas auszurichten vermag.

Jung und Jung Verlag ISBN 3902497858 22,00 Euro www.jungundjung.at

Erwachen zum großen Schlafkrieg: Erzählung

Im Schaufenster - Im Frühling

Dieses Buch nimmt einen mit in die Geschichte eines jungen Mädchens, der das Erwachsenwerden nicht leicht fällt.Es geht um Luisa. Sie ist wie die anderen Kinder, aber aufmerksamer. In ihrer Welt muss man Acht geben. Manches klingt wie ein Märchen, aber es ist kein lustiges Märchen. Die Jahre vergehen: Erst ist Luisa ein kleines Mädchen, dann ist sie ein Mädchen und dann, ja, was ist sie dann? Dann ist sie älter geworden, eine junge Frau, sie lebt in Wien, hat eine Freundin, die Valerie heißt, und sie hat Frank kennengelernt. Frank verschafft Luisa das, was er Annehmlichkeiten nennt, aber Luisa begreift, dass es gut ist, auch bei Frank Acht zu geben. Luisa kannte Bernhard, Nik und Ziegler und auch ihren Vater und Herrn Fotti, und in ihrem Kopf reden alle mit und mischen sich ein, aber dann überrascht Frank sie doch. Man kann eben nicht genug Acht geben im Leben. Erst findet sie seltsame Fotos, dann eine Waffe, und dann findet sie heraus, dass Valerie Frank kennt und Frank Valerie. Was Luisa gelernt hat, am Ende? Noch lange nicht genug: "Ich trage die falschen Schuhe, sagte Luisa, überall lag Schnee." Melinda Nadj Abonji erzählt eine Geschichte vom allmählichen Erwachsenwerden mit eindringlichen Szenen und vielen Taktwechseln. Es ist eine Geschichte der Überraschungen, Verletzungen und einer Ahnung vom Glück. Für ihren zweiten Roman erhielt Melinda Nadj Abonji den Deutschen und den Schweizer Buchpreis. Hiermit wird ihr erster Roman noch einmal ins Schaufenster gestellt. Über die Autorin: Melinda Nadj Abonji, geb. 1968 in Becsej, Vojvodina ist Autorin und Musikerin. Zunächst studierte sie Germanistik und Geschichte. Seit 2006 leitet sie eine freie Schreibwerkstatt in Zürich. Für "Tauben fliegen auf" erhielt sie den Deutschen Buchpreis 2010 sowie den Schweizer Buchpreis 2010. Schonungslos offen und ehrlich berichtet die schweizer Autorin von den schrecklichen Zuständen im Balkankrieg und den damit einhergehenden Familientragödien. Sie erzählt eine Geschichte vom Loslassen und auf Reisen sein und von der wechselhaften politischen Situation in der Region. Zwischen all dem Elend findet sich doch immer wieder etwas Schönes, was Nadj Abonji eindrucksvoll beschreibt.  

Jung und Jung Verlag ISBN 3902497866 17,90 Euro www.jungundjung.at

Im Schaufenster im Frühling: Roman




Tania Krätschmar: Winterherz

Biologin Ella hat eine besondere Leidenschaft: Wölfe. Während sie versucht, deren möglichen Überlebensraum in der Schorfheide nordöstlich von Berlin zu sichern, kommt ihr der attraktive Sander in die Quere. Schnell ist klar, dass sie sich voneinander angezogen fühlen, doch was steckt hinter Sanders starker Abneigung gegen die Tiere?

Über die Autorin: Tania Krätschmar wurde 1960 in Berlin geboren. Nach ihrem Germanistikstudium in Berlin, Florida und New York arbeitete sie als Bookscout in Manhattan. Heute ist sie als Texterin, Übersetzerin und Autorin tätig. Sie lebt mit ihrem Sohn in Berlin. Weitere Informationen finden Sie www.taniakraetschmar.de

Droemer/Knaur ISBN 3426506653 8,99 Euro www.knaur.de

Winterherz - Krätschmar, Tania




Luisa Valenzuela;  Morgen          Übersetzt aus dem Spanischen von Helga Lion und Gerald Wallner


Das Schiff Morgen fährt flussaufwärts. Es ist beladen mit geheimen Worten und neigt zum Kentern. An Bord achtzehn Schriftstellerinnen, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse austauschen. Das Schiff wird von einer Kommandoeinheit gekapert, die Schriftstellerinnen des Terrorismus beschuldigt und unter Hausarrestgestellt: achtzehn argentinische Schriftstellerinnen, die mit einem Federstrich von der literarischen Landkarte gefegt werden. Elisa Alagañaraz ist eine der festgehaltenen Schriftstellerinnen. Sie haben ihre Bibliothek geplündert, ihre Werke vernichtet und ihr nur ihren Laptop gelassen. Sie entscheidet sich nach Monaten der Gefangenschaft und Verzweiflung, ihre Odyssee an Bord des Schiffes zu erzählen, im Wissen, dass ihr Geschriebenes wöchentlich von Ordnungswächtern wieder gelöscht wird. Was ist so bedrohlich für die Machthaber? Die Kraft ihrer Worte? Eine eigene Sprache der Frauen? Die Frage nach der wirklichen Stimme des Menschen? Vom ersten Moment ihrer Gefangenschaft an versucht Elisa Algañaraz, Antworten auf diese Fragen zu finden. Sie nimmt Kontakt auf mit dem israelischen Übersetzer Omér Katvani, der wiederum Esteban Clementi, einen argentinischen Hacker, einbindet. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte, eine Geschichte der Verfolgungen, der Gefahren und der Verschwörungen, die zu einer beinahe unmöglichen Antwort ineinanderlaufen. Luisa Valenzuela vereint ausgeprägten Sinn für Humor mit der Schärfe der Reflexion. Von Kritikern wird sie verglichen mit Angela Carter und Roberto Bolaño. Morgen spricht über Identität und Sprache, über die Beziehung der Frauen zur Macht und über die Geheimnisse künstlerischen Schaffens. Ein Roman voll Spannung, Abenteuer und Ideen, zweifellos ein Höhepunkt im umfangreichen Werk einer Schriftstellerin von internationalem Rang.

In deutscher Übersetzung liegt bereits eine Auswahl aus dem umfassenden Werk von Luisa Valenzuela  vor. Präsentiert auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt, mit Argentinien als Gastland, erfährt ihr neuester Roman "Morgen" großes Interesse im deutschprachigen Raum. Aus der Perspektive der Schriftstellerin Elisa Alganaraz und Omer, dem vermeintlichen Retter, wird die Geschichte spannungsvoll aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Die Macht der Worte, die Macht der Frauen, beides scheint eine große Gefahr darzustellen, denn die auf dem Schiff "Morgen" reisendenden Schriftstellerinnen werden ihrer Freiheit und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten beraubt und gefangen gehalten. Obwohl ihnen ihr Laptop weiter zur Verfügung steht, wird ihr Geschriebens kaum einen Leser erreichen. In einer wortgewaltigen Sprache spannt die Autorin einen Bogen der Hoffnung in einer scheinbar auswegslosen Situation.

Über die Autorin: Luisa Valenzuela, geb. 1938 in Buenos Aires, Tochter der bekannten argentinischen Schriftstellerin Luisa Mercedes Levinson, lebte als Kind in einer literarischen Atmosphäre umgeben von Schriftstellern. Seit ihrem 17. Lebensjahr ist sie als Journalistin in Argentinien und in den USA für verschiedene Zeitschriften (New York Times, Village Voice, Vogue, Vanity Fair etc.) tätig gewesen. Während ihres Aufenthaltes in Frankreich von 1957 bis 1961 hatte sie Kontakt mit der Gruppe Tel Quel und AutorInnen des „Nouveau Roman". 1970 erhielt sie ein Fulbright-Stipendium in die USA und schrieb dort ihren Roman El gato eficaz, der den Durchbruch in ihrem literarischen Schaffen darstellte. Nach Jahren des Reisens (Mexiko, Spanien, Paris, Schottland) lebte sie im politischen Exils in den USA und gab post-graduate-Kurse in Literatur. 1989 kehrte sie in ihre Heimatstadt Buenos Aires zurück.

Drava Verlag    ISBN 978-3-85435-624-0    27,80 Euro    www.drava.at

  Morgen



Thomas Röthlisberger: Zuckerglück

"Da, Bub, nimm, sagte sie, und ihre Augen lachten, während sie ihm das himbeerrote Bonbon in den Mund schob." Thomas Röthlisbergers Roman ist die Geschichte eines scheinbaren Familienidylls in der Schweiz der 50er und 60er-Jahre, erzählt aus der Perspektive des heranwachsenden Sohns, der Glück einzig mit der schmelzenden Süsse von Grossmutters Bonbons zu verbinden weiss, bis er nach dem Bruch des Idylls seinen eigenen Weg aus der Nachkriegszeit in die Moderne finden muss. Ein Roman über Kindheit und Loslassen, geschrieben in einer schnörkellosen Sprache, die Raum zwischen den Zeilen lässt. Zugleich ein Dokument einer Zeit, in welcher die Grossmütter Pullover und Pulswärmer, vor allem aber graue Kniestrümpfe strickten. In kurzen und prägnanten Kapiteln beschreibt der Autor mit ehrlicher, schnörkelloser Sprache Stationen des Kindseins im Gasthof, im Haus der Eltern, bei den Nachbarskindern und im "Schlaraffenland" der Kaufmannsläden. Für das Kind ist besonders die Welt der Bücher und sein Bett Ort der Zuflucht vor Stadt, den Eltern, den Mitschülern. Doch auch bei Enttäschungen mit seiner ersten Liebe Aline schwingt eine untertönige Melancholie mit, die in einer Bilanz und dem Leben vom Bub zum Mann endet. Über den Autor: Thomas Röthlisberger, 1954 in Ittigen geboren, lebt mit seiner Familie in Bern. Bisher erschienen die Romane "Die Eiswanderung", "Das Lotsenhaus" und "Fischgesang" sowie die Gedichtbände "das schweigen über finnland" und "nur die haut schützt den schläfer".


Cosmos Verlag ISBN 3305003685  29.00 CHF  www.cosmos-verlag.ch  

Zuckerglück: Roman

Marco Dzebro:  Dorian - Ein Scheitern in Postkarten

Was ist mit Dorian geschehen? Er ging nach New York, in die Stadt der ungezählten Möglichkeiten. Dann hat man nie wieder von ihm gehört. In seinem Hotelzimmer hat er lediglich eine alte Schreibmaschine und einen Stapel beschriebener Postkarten zurückgelassen und eine Menge Fragen. Die Texte machen kein Sightseeing, keinen Besuch bei der Freiheitsstatue und den nicht mehr vorhandenen Türmen, ganz im Gegenteil, sie tauchen tief ein in den Moloch New York, in einen Strudel aus Dreck, Sex und Gewalt. Sie lassen das Scheitern Dorians an der Stadt erahnen. New York hat Dorian regelrecht ausgespuckt während er bis heute als vermisst gilt, lebt und wuchert die Stadt unbeschadet weiter wie bisher. Als Ort vieler Geschichten ist diese urbane Metropole Mittelpunkt des soziologischen Romans und besonders charmant ist hier das Postkarten-Format und der Stil in alter Schreibmaschinen-Schrift. Die Person Dorian bleibt ein gro0es Rätsel (oder Alter Ego des Autors?), was die Spannung zwischen den Zeilen jedoch noch erhöht. Mit prägnanten Sätzen wie "Meine Stadt ist der Schluckauf des Messerwerfers" hat der Leser das Gefühl direkter Empfänger der Botschaften zu sein, die hier so unmittelbar und dennoch poetisch daherkommen. Über den Autor: Marco Dzebro wurde 1977 geboren und verfiel einige Zeit später der schlechten Angewohnheit des Schweigens, da er mit allem, was er der Gesellschaft zu sagen hatte, vor seinem dreißigsten Lebensjahr fertig geworden war. Sein Kopf lebt irgendwo in Deutschland, sein Herz in New York.

Asphalt & Anders Verlag ISBN 3941639048  12,90 Euro  www.asphalt-anders.de       

Dorian - Dzebro, Marco

Markus A. Will:    bad banker 

Mitch Lehman will alles, und der Erfolg gibt ihm Recht: Der Starbanker der Carolina Bank gehört zu den Bigplayern seiner Zunft. Er scheffelt Rekordgewinne für die Investmentbank und es scheint, als könne ihn nichts und niemand aufhalten. Als 2008 die ganze Bankenwelt zu explodieren droht, findet der Tanz auf dem Vulkan ein abruptes Ende. An den Schauplätzen London, New York, Hawaii, Frankfurt und Zermatt erlebt der Leser ein rasantes Rennen um Macht, Sex, Geld und Einfluss, das in einem dramatischen Showdown an Weihnachten 2009 ein überraschendes Ende findet. Ein Thriller um Geld, Macht, schwindelerregende Aufstiege und tödliche Abstürze.


Über den Autor: Dr. Markus A. Will (46), ein Insider der internationalen Bankenszene, hat in den 90er-Jahren für zwei führende Investmentbanken in Frankfurt und London gearbeitet. Heute führt er seine eigene Unternehmensberatung und ist als Privatdozent an der Universität St. Gallen tätig. «bad banker» ist das Ergebnis seiner langjährigen Beobachtungen in der verführerischen Glamourwelt des Geldes, in der die Gier Einzelner über alles triumphierte.

Der Protagonist mit dem passenden Nachnamen Lehmann regiert als machtbesessener "General" die Carolina-Bank. Seine kapitalen Verbrechen, die ihm 50 Milliarden Dollar einspielen, führt er mit Hilfe einer Mathematikerin durch, die aus gefährlichen Konstruktionen spektakuläre Finanzprodukte mit hohen Risiken und hohen Gewinnen zusammenschneidert. Zunächst klappt alles nach Plan. Die Carolina Bank macht Milliardengewinne. Die Banker sahnen uppige Boni ab. Und immer weiter geht's bis zum tötlichen Absturz. Durch gewissenslose Spekulationen sind Banken in den Fokus der Empörung geraten. Der Thriller "bad banker" und vermittelt den LeserInnen einen spannenden Einblick in die Welt der Finanzen, Macht und Einfluss und gibt ihnen gleichzeitig fundiertes Wirtschaftswissen an die Hand. Zugegebernermaßen mit 736 Seiten ein echter Wälzer zu einem komplexen Finanzthema, verpackt in Geschichten um falsche Liebe und echten Hass, Aufstieg und Untergang,  gewissenhafte Journalisten und einen korrekten Schweizer Banker.

Friedrich Reinhardt Verlag   ISBN 978-3-7245-1689-7    19,80 Euro   www.reinhardt.ch

 



Marianne Efinger: Gottes leere Hand

Nach einem akuten Anfall von Atemnot findet sich Manuel Jäger in der Notaufnahme des Marienhospitals wieder. Aufgrund seiner Glasknochen war er schon oft in Krankenhäusern und will dort nicht bleiben, doch sein bester Freund Lothar besteht darauf, dass er sich gründlich untersuchen lässt. Von Anfang an läuft für Manuel alles schief: Nach dem Röntgen vergisst man ihn auf einem zugigen Flur, eine Lernschwester wendet ein Medikament falsch an und er wird in ein Dreibettzimmer mit ungehobelten Mitpatienten gepfercht. Ignorante Ärzte, überforderte Krankenschwestern und die Patienten mit ihren Nöten bestimmen den Alltag auf der Station. Einzig in der Krankenschwester Dagmar findet Manuel eine Seelenverwandte, nicht zuletzt, weil sie ihn an seine verstorbene Verlobte Lenora erinnert. Doch er kann diese Vertrautheit nicht lange genießen, da er sich bei einem Sturz den Arm bricht und deshalb kurzfristig auf die Chirurgie verlegt wird. Dadurch wird übersehen, dass er sich eine Erkältung zugezogen hat, die für ihn lebensgefährlich werden kann. Manuels Gesundheitszustand verschlechtert sich dramatisch, bis er erkennt: Ohne Hilfe der Medizin kann er nicht überleben, in einem hektischen, entseelten Krankenhausbetrieb kann er es aber auch nicht mehr. Da taucht der geheimnisvolle demenzkranke Wendelin Weihrauch auf und lehrt ihn eine wertvolle Lektion über das Leben und den Tod

Marianne Efinger wurde 1958 im süddeutschen Raum geboren. Nach einigen Semestern Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Philosophie an der Universität Stuttgart war sie zunächst in der Marketingabteilung eines philosophischen Verlags tätig, dann im Landesverband einer Umweltschutzorganisation. Nach einem Unfall machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Die in diesem Beruf gemachten Erfahrungen wurden in Gottes leere Hand literarisch verarbeitet. Seit 2003 lebt Marianne Efinger mit ihrem Mann in der Bretagne.

Ein spannend geschriebener Roman über das Tagesgeschäft in einem Krankenhaus, eine lebensbedrohende Krankheitssitutation und der Erinnerung an eine große Liebe. Die Schilderungen lassen den Leser jedoch schnell nachdenklich werden, wenn er sich in die Krankengeschichte von Manuel Jäger vertieft, der das Pech hat, ein Patient sein zu müssen, besonders schlimm für ihn, der als Notfall nach einem Atemstillstand eingeliefert wird und ein Patient mit einer seltenen Glasknochenkrankheit ist. Die Ärzte verfügen kaum über medizinisches Wissen über diese Krankheit, und der Patient verliert schnell die Kontrolle über das Geschehen. Wegen einer banalen Erkältung gerät er in eine lebensbedrohliche Situation und einen Kampf um Leben und Tod. Die Autorin zeichnet aus persönlicher, beruflicher Erfahrung ein sehr genaues Bild des Krankenhausalltags, der Mißstände, Personalmangel, Mobbing und Unfähigkeit, aus Zeit- und Personalmangel am Schicksal des Patienten Teilnahme zeigen zu können.

Bookspot Verlag     ISBN 9783937357409     19,80 Euro    www.bookspot.de











 


 
 



 

 


 

 



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